Sommerhimmel

Donnerstag, 27. Juli 2017

Der Sommerhimmel auf Gröde ist in diesem Juli so richtig vielfältig, von blau bis grau ist alles dabei. Vorgestern Abend erfreute uns der Himmel mit buntem Sonnenuntergangsleuchten.

Früh heute Morgen begrüßte der Himmel Luzi und mich mit monotonem Grau. Wir erahnten schon die fein nieselnden Tröpfchen, die inzwischen das Küchenfenster zieren und meinen heissen Kaffee in Annabelles handgetöpfertem Becher noch einladender als sonst erscheinen lassen. Junge Schwalben flattern zwischen Holunderbaum und Blitzableiter hin und her, Schutz suchend und auf Futter wartend. Ein handfester Südwind ruckelte heute Morgen am offenen Scheunentor und ließ die Schafgatter hinterm Haus hin und her klappern. Ich zog meine Jacke über. Oben auf der Deichkrone bei der weißen Bank kämmte der Wind Luzis langes Fell, als wir unsere Blicke über die Hallig schweifen ließen. Ganz im Osten, im Graben, liegt seit gestern Nachmittag ein Segler. Vor zwölf Stunden landete der Rettungshubschrauber direkt vor unserem Tor unten an der Warft: Der kleine Peer hatte sich beim Spielen den Arm gebrochen. Die Windräder am Horizont drehen sich weiter. Wir gehen die Auffahrt hinunter, ein Stück den Weg entlang und biegen dann in die Wiesen ab. Ihr Grün ist gesprenkelt mit hellem Wermut und lila Halligflieder. Luzi findet eine Feder, schnuppert daran, nimmt sie vorsichtig zwischen die Vorderzähne und trägt sie eine Weile mit sich, bevor sie den Grabenrand spannender findet und die Feder wieder fallen läßt. Während wir beide über die sommerlichen Salzwiesen schlendern, begleiten uns 100 Seeschwalben. Sie segeln und erzählen ihre Geschichte: „kriii-aaa“. Ich schaue auf, und mit der Fröhlichkeit der Seeschwalben erscheint mir der Himmel bunter als er wirklich ist.

Unsere Schafe, die ich im Süden bei der Badestelle sehe, sind auch wieder fröhlich, nachdem der Schafscherer ihnen vor zwei Wochen endlich den dicken Pelz ausgezogen hat. Ausserdem sind Hanna und Lilly zu Besuch, und die verbreiten immer Fröhlichkeit, egal wie der Sommerhimmel gerade aussieht. Die unteren Fotos sind von ihnen.

Wir alle zusammen wünschen Euch weiterhin einen guten Sommer! Jürgen

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Halligflieder 2017

Sonntag, 23. Juli 2017

Er blüht wieder, der Halligflieder auf Gröde.
In diesen Tagen ist er in voller Pracht auf unseren Salzwiesen zu finden, wie immer am üppigsten und am schönsten in den tiefer gelegenen Landstücken und an den Kanten, dort wo die salzige Nordsee oft die Erde tränkt.
Ein paar Impressionen für Euch von einem wunderbaren Sommermorgen im Juli.
Viele Grüße, Jürgen und Sabine

Sommerstürmchen

Donnerstag, 8. Juni 2017

Als „Sommerstürmchen“ betitelte die Tagesschau auf ihrer Website das Sturmtief Ingraban mit seinen organstarken Böen.
Nicht nur große Teile Europas erlebten gestern und heute ein „Sommerstürmchen“: England, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland und Dänemark. Nein, auch unser kleines Fleckchen Gröde lag mittendrin unter dichtesten Grauwolken, mit peitschenden Ligusterhecken, fliegenden Fahnen, nassen Hunden, waagerecht sausenden Regenstreifen und gischtenden Nordseewellen, die drei Fluten nacheinander unsere schützenden Kanten erstiegen und die trüben Sommerwasser in den Halligprielen aufmischten.
Gestern Nachmittag schrieb ich noch: Warten wir mal ab, wieviel in der Nacht zu Donnerstag hineinläuft, dann ist der höchste Wasserstand in diesem „Sommerstürmchen“ vorhergesagt.
Und wie hoch kam es nun, das Nordseewasser?
Zu hoch auf jeden Fall, um weiter abzuwarten. Nachdem wir am Abend die Schafe von den Salzwiesen nach Hause getrieben hatten, holten wir auch die Rinder auf die Warft, wo sie trocken und sicher die Nacht verbringen konnten.
Aber nicht so hoch, dass sie auch den heutigen Tag noch auf der Warft ausharren mussten. Frühmorgens durften alle Tiere die Warft wieder verlassen: die höher gelegenen Teile von Gröde waren trocken geblieben.
Ich finde, das „Sommerstürmchen“ war ein ausgewachsener Herbststurm! … mit traurigen Auswirkungen auf die noch viel zu junge Vogelbrut 😦
Viele Grüße, Jürgen

Maisonne

Samstag, 27. Mai 2017

Im Plätschern der Nordsee spiegelten sich 1000 Maisonnen, heute an diesem wunderbaren Tag, der mit seiner Wärme wirklich den Sommer erahnen ließ. Mit Impressionen meines heutigen Spaziergangs wünsche ich einen schönen Sonntag! Herzlichst, Jürgen

Anfang des Monats hatten wir eine Malgruppe zu Gast in unserem Haus. Das Wetter war so kalt, dass es an einem Tag sogar schneite, und die Maler unsere Hallig im Schnee malten.

Und am 20. Mai hatte Luzi Geburtstag: 1

Nach Ostern

Mittwoch, 26. April 2017
Ruhiger ist es jetzt auf Gröde. Die Osterlebendigkeit mit unseren Kindern, Privatbesuch und Feriengästen ist vorbei. Sie hat Sabine und mich wirklich erfreut und nicht nur Schwung in unseren Lammzeitalltag gebracht, sondern auch neue Gedanken und Perspektiven. Diese auch beim Fotografieren, weil Jesper spannende Objektive zum Ausprobieren mitgebracht hatte.
In diesem Sinne noch ein paar Impressionen von den Ostertagen.
Herzliche Grüße, Jürgen

Frohe Ostern 2017

Sonntag, 16. April 2017

Wir wünschen Euch frohe Ostern!
Unsere Lammzeit ist fast beendet, und wir möchten uns auf diesem Weg ganz herzlich bedanken bei allen Freunden und Feriengästen, die uns in diesem Jahr dabei geholfen haben. Ihr seid wunderbar!
Jürgen und Sabine

Matriarchat

Samstag, 1. April 2017

Du bist der Mann auf eurem Hof. Du bist der Schäfer. Du siehst die ersten Lämmer genau zur Mittagszeit das Licht der Welt erblicken, eine sonnige Welt, wenn auch nicht gerade warm, aber frühlingshaft hell und trocken, lebhaft wie ihr ersten Atemzüge, zart wie ihre zitternden Stimmchen. Du läßt deine Frau den Neuzugang in die Scheune bringen. Es ist der 21. März, und du denkst: Hanna-Lämmer. Heute ist wieder einmal Hannas Geburtstag, genau wie im vergangenen Jahr kommen die ersten Lämmer dieser Lammzeit an Hannas Geburtstag zur Welt. Und dann rechnest du: Es dauert noch mehr als zwei Wochen, bis Hanna und Lilly zu uns kommen, einzutauchen in die neue Lammzeit.

Am Nachmittag desselben Tages humpelst du an Bord des Schiffes, das dich von der Hallig fort trägt, um am Festland dein linkes Knie untersuchen zu lassen. Tags zuvor hast du eine seeehr unsanfte Kollision mit einem Schaf gehabt. Deine Kniescheibe hat dabei kurzzeitig ihren angestammten Ort verlassen und und das Vakuum mit Schmerz ausgefüllt. Kleiner Pieks, blauer Traum, Knie wieder heile — frei nach Janosch. Die Zahl der Schafmütter hat sich verzwölffacht, als du auf euren Hof zurückkehrst. Deine Frau und die Nachbarin haben seit einer Woche alle Hände voll zu tun, die Mütter mit ihrer Rasselbande bei Laune zu halten. Und täglich werden es mehr.

Männer spielen in eurer diesjährigen Lammzeit nur eine untergeordnete Rolle. Der Schafbock hat seine Aufgabe als Erzeuger bereits im Herbst erfolgreich erledigt. Du als Schäfer bist eine ganze Woche nicht vor Ort gewesen, und jetzt, wieder zuhause, vermagst du nur steifbeinig umherzukrücken, wenn du dich nicht gerade auf dem Sofa ausruhst, Beine hoch. Ab und zu versuchst du mit guten Ratschlägen zu landen, aber weder die Regie führenden und arbeitenden Frauen noch die werdenden und gewordenen Schafmütter lassen sich davon stark beeindrucken. Sie alle haben sich in ihrer weiblichen Solidarität zusammengefunden und bilden ein Matriarchat, das wunderbar funktioniert – ohne dich. Und wenn Hanna und Lilly dazukommen ist alles perfekt!