Maisonne

Samstag, 27. Mai 2017

Im Plätschern der Nordsee spiegelten sich 1000 Maisonnen, heute an diesem wunderbaren Tag, der mit seiner Wärme wirklich den Sommer erahnen ließ. Mit Impressionen meines heutigen Spaziergangs wünsche ich einen schönen Sonntag! Herzlichst, Jürgen

Anfang des Monats hatten wir eine Malgruppe zu Gast in unserem Haus. Das Wetter war so kalt, dass es an einem Tag sogar schneite, und die Maler unsere Hallig im Schnee malten.

Und am 20. Mai hatte Luzi Geburtstag: 1

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Nach Ostern

Mittwoch, 26. April 2017
Ruhiger ist es jetzt auf Gröde. Die Osterlebendigkeit mit unseren Kindern, Privatbesuch und Feriengästen ist vorbei. Sie hat Sabine und mich wirklich erfreut und nicht nur Schwung in unseren Lammzeitalltag gebracht, sondern auch neue Gedanken und Perspektiven. Diese auch beim Fotografieren, weil Jesper spannende Objektive zum Ausprobieren mitgebracht hatte.
In diesem Sinne noch ein paar Impressionen von den Ostertagen.
Herzliche Grüße, Jürgen

Frohe Ostern 2017

Sonntag, 16. April 2017

Wir wünschen Euch frohe Ostern!
Unsere Lammzeit ist fast beendet, und wir möchten uns auf diesem Weg ganz herzlich bedanken bei allen Freunden und Feriengästen, die uns in diesem Jahr dabei geholfen haben. Ihr seid wunderbar!
Jürgen und Sabine

Matriarchat

Samstag, 1. April 2017

Du bist der Mann auf eurem Hof. Du bist der Schäfer. Du siehst die ersten Lämmer genau zur Mittagszeit das Licht der Welt erblicken, eine sonnige Welt, wenn auch nicht gerade warm, aber frühlingshaft hell und trocken, lebhaft wie ihr ersten Atemzüge, zart wie ihre zitternden Stimmchen. Du läßt deine Frau den Neuzugang in die Scheune bringen. Es ist der 21. März, und du denkst: Hanna-Lämmer. Heute ist wieder einmal Hannas Geburtstag, genau wie im vergangenen Jahr kommen die ersten Lämmer dieser Lammzeit an Hannas Geburtstag zur Welt. Und dann rechnest du: Es dauert noch mehr als zwei Wochen, bis Hanna und Lilly zu uns kommen, einzutauchen in die neue Lammzeit.

Am Nachmittag desselben Tages humpelst du an Bord des Schiffes, das dich von der Hallig fort trägt, um am Festland dein linkes Knie untersuchen zu lassen. Tags zuvor hast du eine seeehr unsanfte Kollision mit einem Schaf gehabt. Deine Kniescheibe hat dabei kurzzeitig ihren angestammten Ort verlassen und und das Vakuum mit Schmerz ausgefüllt. Kleiner Pieks, blauer Traum, Knie wieder heile — frei nach Janosch. Die Zahl der Schafmütter hat sich verzwölffacht, als du auf euren Hof zurückkehrst. Deine Frau und die Nachbarin haben seit einer Woche alle Hände voll zu tun, die Mütter mit ihrer Rasselbande bei Laune zu halten. Und täglich werden es mehr.

Männer spielen in eurer diesjährigen Lammzeit nur eine untergeordnete Rolle. Der Schafbock hat seine Aufgabe als Erzeuger bereits im Herbst erfolgreich erledigt. Du als Schäfer bist eine ganze Woche nicht vor Ort gewesen, und jetzt, wieder zuhause, vermagst du nur steifbeinig umherzukrücken, wenn du dich nicht gerade auf dem Sofa ausruhst, Beine hoch. Ab und zu versuchst du mit guten Ratschlägen zu landen, aber weder die Regie führenden und arbeitenden Frauen noch die werdenden und gewordenen Schafmütter lassen sich davon stark beeindrucken. Sie alle haben sich in ihrer weiblichen Solidarität zusammengefunden und bilden ein Matriarchat, das wunderbar funktioniert – ohne dich. Und wenn Hanna und Lilly dazukommen ist alles perfekt!

Im Zug

Im März 2017
Vielleicht findest Du Dich in der Wahrheit des Alltags wieder und fragst Dich,
was tun?
Vielleicht findest Du Dich beim Blick in den unendlichen Himmel wieder und fragst Dich,
wieviel?
Vielleicht findest Du Dich beim Umsteigen auf dem Bahnhof wieder und fragst Dich,
wohin?
Vielleicht findest Du Zeit, Dich zu genießen, ohne Dich zu fragen,
ist das wahr?

Biike 2017

d4x_2018Dienstag, 21. Februar 2017

Ob wir wohl wirklich den Winter vertreiben können mit unserem Biikefeuer? Eine immer wieder spannende Frage, finde ich. Ich sehne mich schon nach Sommer und Wärme. Am heutigen Biiketag hat sich die Sonne mächtig angestrengt mitzuhelfen. Sie glühte stundenlang am knallblauen Himmel, und nicht ein einziges Wölkchen vermochte Schatten auf unsere Hallig zu werfen. Das war schon richtig gut, wenn auch noch windig kalt.

Und immer wieder erstaunlich finde ich, wie groß ein Biikehaufen auf Gröde werden kann. Jeder hat den Winter lang Kartons gesammelt, und jeder findet auf der Warft zu lang gewachsenes Buschwerk, und jeder sucht in der Scheune nach brennbarem Unbrauchbarem, sodass auch dieses Jahr wieder ansehnliche Flammen zu erwarten sind, die vielleicht ausreichen könnten, dem Winter und seinen Geistern einen mächtigen Schrecken einzujagen.

Die klirrend kalten Wintergeister, noch jagen sie um uns herum, wie Hexen auf ihren Besen, während wir uns im Dunkeln versammeln am Berg aus Gestrüpp, Gebüsch, Kartons und Holz. Ich glaube sogar ihr Jammern und Heulen zu hören, ihrer Vorahnung entlockt, dass gleich etwas passieren wird, was sie fürchten: Dass wir uns zusammentun und auflehnen gegen ihre eisige Herrschaft dunkler Tage. Jetzt ist es soweit! Wir trotzen ihrem Regiment, wir entzünden ein Licht, ein ganz kleines nur, vorerst, ein ganz kleines Licht in der Hand eines der Unsrigen, einer der sich wagt, einer der den Mut aufbringt, sich dem dunklen Biikehaufen zu nähern, sich zu nähern unter dem windisch anschwellenden Geheul der Wintergeister, die ihre Kreise immer enger ziehen. Sie vermögen ihn nicht mehr zu vertreiben. Sie ahnen, sie stöhnen, sie stoßen herab und steigen jäh wieder auf und versuchen mit aller Kraft und immer neuen eisigen Böen die kleine Flamme auszublasen, die in der Hand des Mutigen dem Biikehaufen Licht und Wärme spendet, der Mutige, der die Böen geschickt nutzt, um ein Papier im Schutze eines Kartons zu entzünden, wo die Flamme sich festsetzen und wachsen kann. Jetzt begreifen die Wintergeister im Angesicht der gierig leckenden Feuerzünglein, dass sie verlieren müssen, je mehr Nahrung die Flammen finden, Nahrung, die ihnen schmeckt, die sie schnell größer werden läßt. Sie begreifen, dass sie auch mit vereinten Kräften Licht und Wärme für uns Menschen nicht mehr verhindern können. Die Geister jagen jammernd um uns herum, während die Flammen knisternd das Gestrüpp umschmeicheln und Heerscharen von Funken aussenden, ihnen den eisigen Pelz zu verbrennen. Mir scheint, ich höre ihr Ach und Weh immer leiser werdend, je heller die Flammen und je lauter das von uns Menschen entfachte Feuergebrüll im Biikehaufen braust. Bald schon übertönt es das Wehklagen der Wintergeister, und mit einem letzten verzweifelten Zischen ziehen sie sich zurück von unserem Flecken Erde.

Wir haben es geschafft, den Winter und seine Geister zu vertreiben. Doch – als wären es ihre Verbündeten – fallen noch in der gleichen Nacht die Sturmgeister über Gröde her. Sie bleiben aber nicht so viele Wochen, und das ist schön.
In diesem Sinne! Viele Grüße, Jürgen

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Und zum Schluss gibt es noch ein Zeitraffervideo vom Biike-Brennen auf Hallig Gröde 2017 von Andreas Niggemann. Viel Spaß beim Anschauen:

 

Wattenweite

img_0068Freitag, 17. Februar 2017

Der Watten Weite. In mir selbst ist die Weite in letzter Zeit ein wenig eng geworden. Anscheinend habe ich sie schleichend verbaut, meine Sicht auf sie zugestellt, wie mit großen Plakatwänden, auf denen sich die vielen noch zu lösenden Aufgaben anpreisen, die sich in meinem Kopf tummeln. Manche sind sicher schnell zu erledigen – nachdenken, handeln, erledigt – keine 15 Minuten. Manch andere brauchen deutlich länger, und ich muss gut überlegen, wann ich mir die drei Stunden nehme, die es dauern wird, die Umstellung unseres Telefons auf einen anderen Anbieter vorzubereiten. Der Termin dafür naht, und unsere Telekommunikationstechnik im Haus will angepasst werden, um uns weiterhin problemlos mit Familie, Freunden und Gästen zu verbinden. Dann winken da noch die Vergißmeinnichtaufgaben mit ihren nimmer still stehenden Armen, freundlich, aber mit einem listigen Lächeln in den Mundwinkeln: Muss nicht gleich sein, aber bitte vergiss uns nicht.

Da ist es gar nicht schlecht, mal zwei Tage am Festland zu verbringen. Im Wartezimmer unseres Arztes kann ich nur warten und mein Buch lesen, sonst nichts. Wir warten zu elft in diesem Wartezimmer: Niemand spricht; ein alter Herr mit verschränkten Armen vor der Brust starrt reglos aus dem Fenster; eine entspannt dreinblickende Frau in meinem Alter scheint in sich hineinzuhorchen; eine viel zu hagere ältere Dame rührt mich mit ihrem gequältem Gesichtsausdruck; die sieben anderen beschäftigen sich mit ihren Smartphones – eindeutig die Mehrheit. Für mich beginnt der Zweitagsurlaub mit Warten und Lesen, gutem Essen und einem gemütlichen Abend mit meinen Eltern, wohltuend.

Als Nachhauseweg hatte ich mir das Watt ausgesucht, denn die sonnige Kälte ohne Wind versprach einen wunderbaren Vormittagsspaziergang von Schlüttsiel nach Gröde. Und so ist es dann auch. Hinter mir Deich und Festland und meine Fußstapfen im Schlick zwischen den Lahnungen südlich von Schlüttsiel. Vor mir nur der Watten Weite bis zum dunstigen Horizont, an dem ich so gerade eben die Warft von Habel ausmachen kann. Nach einer Weile Fußmarsch taucht auch die Gröder Warft im Südwesten auf, zuerst mehr vorgestellte als bildliche Wahrnehmung, aber mit jedem Schritt klärt sich ihre Kontur in der Watten Weite. Schräg vor mir belebt mich blendend die Februarsonne am blauer werdenden Himmel und spiegelt sich tanzend in den Pfützen und Prielen der Watten Weite, während ich wandere und dabei mit jedem schönen Anblick von Eis, Leben und Dynamik im Watt ein Stückchen Weite in mir selbst wiederfinde.
Wünsche Euch allen ein weites Wochenende! Jürgen

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