Wattenweite

img_0068Freitag, 17. Februar 2017

Der Watten Weite. In mir selbst ist die Weite in letzter Zeit ein wenig eng geworden. Anscheinend habe ich sie schleichend verbaut, meine Sicht auf sie zugestellt, wie mit großen Plakatwänden, auf denen sich die vielen noch zu lösenden Aufgaben anpreisen, die sich in meinem Kopf tummeln. Manche sind sicher schnell zu erledigen – nachdenken, handeln, erledigt – keine 15 Minuten. Manch andere brauchen deutlich länger, und ich muss gut überlegen, wann ich mir die drei Stunden nehme, die es dauern wird, die Umstellung unseres Telefons auf einen anderen Anbieter vorzubereiten. Der Termin dafür naht, und unsere Telekommunikationstechnik im Haus will angepasst werden, um uns weiterhin problemlos mit Familie, Freunden und Gästen zu verbinden. Dann winken da noch die Vergißmeinnichtaufgaben mit ihren nimmer still stehenden Armen, freundlich, aber mit einem listigen Lächeln in den Mundwinkeln: Muss nicht gleich sein, aber bitte vergiss uns nicht.

Da ist es gar nicht schlecht, mal zwei Tage am Festland zu verbringen. Im Wartezimmer unseres Arztes kann ich nur warten und mein Buch lesen, sonst nichts. Wir warten zu elft in diesem Wartezimmer: Niemand spricht; ein alter Herr mit verschränkten Armen vor der Brust starrt reglos aus dem Fenster; eine entspannt dreinblickende Frau in meinem Alter scheint in sich hineinzuhorchen; eine viel zu hagere ältere Dame rührt mich mit ihrem gequältem Gesichtsausdruck; die sieben anderen beschäftigen sich mit ihren Smartphones – eindeutig die Mehrheit. Für mich beginnt der Zweitagsurlaub mit Warten und Lesen, gutem Essen und einem gemütlichen Abend mit meinen Eltern, wohltuend.

Als Nachhauseweg hatte ich mir das Watt ausgesucht, denn die sonnige Kälte ohne Wind versprach einen wunderbaren Vormittagsspaziergang von Schlüttsiel nach Gröde. Und so ist es dann auch. Hinter mir Deich und Festland und meine Fußstapfen im Schlick zwischen den Lahnungen südlich von Schlüttsiel. Vor mir nur der Watten Weite bis zum dunstigen Horizont, an dem ich so gerade eben die Warft von Habel ausmachen kann. Nach einer Weile Fußmarsch taucht auch die Gröder Warft im Südwesten auf, zuerst mehr vorgestellte als bildliche Wahrnehmung, aber mit jedem Schritt klärt sich ihre Kontur in der Watten Weite. Schräg vor mir belebt mich blendend die Februarsonne am blauer werdenden Himmel und spiegelt sich tanzend in den Pfützen und Prielen der Watten Weite, während ich wandere und dabei mit jedem schönen Anblick von Eis, Leben und Dynamik im Watt ein Stückchen Weite in mir selbst wiederfinde.
Wünsche Euch allen ein weites Wochenende! Jürgen

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Wassertage

d4x_1949Samstag, 14. Januar 2017

Fortsetzung vom Dieter-Sturm – oder sind es nur die Nachwirkungen?
Gestern Nachmittag Landunter, ohne Wind und Wellen – ein bisschen gespenstisch.
Heute Nacht Landunter, schon wieder mit mehr Wind.
Heute Nachmittag stieg und in der kommenden Nacht steigt das Wasser mit dem abnehmenden Wind so eben auf Oberkante Steinkante, kurz vor dem Überlaufen. Da viel Wasser bei Ebbe da war, ist die Hallig immer noch voller Wasser, es läuft nur wenig ab.
Es scheint jetzt aber zu enden. Viele Male stieg die Nordsee in den vergangenen Tagen hoch und überschwemmt unsere Salzwiesen. Die freuen sich natürlich darüber, mal wieder so richtig klitschnass zu werden, bzw. der Halligflieder, die Strandastern, der Strandwermuth und die übrige Halophytengesellschaft über eine extra Portion Salz. Die Collie-Spaziergänge hielten sich in engen Grenzen, hätte mehr sein können, meint Luzi, aber tiefer als mit den Füßen in die Nordsee am Warftfuß tapsen musste dann doch nicht sein. Was mochten die Schafe wohl denken? Unser tägliches Heu gib uns heute und vergib uns … ja was denn? Ich habe genug Heu zu vergeben. Zur Abwechselung kriegtet ihr heute sogar echtes Lübecker Gartenheu. Rasmus und Jonathan haben mir einen Karton voll geschickt – selbst gemäht, selbst gewendet und selbst verpackt! Herzlichen Dank an Euch zwei – mäh lecker mäh lecker mäh.
Jürgen

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Dieter

d4x_1905Donnerstag, 12. Januar 2017

Dass sich jetzt keiner angesprochen fühlt! Dieter heißt das aktuelle Sturmtief.
Gestern Mittag Landunter.
Heute Nacht Landunter.
Heute Mittag Landunter.
Für morgen ist nicht so viel gemeldet, und mit dem nachlassenden Wind könnte die Nordsee sich beruhigen. Für die Nacht zu Samstag sind die Aussichten auf Landunter aber wieder gut.
Unser Blick von der Warft gestern Abend bei Vollmond (oben) und heute im Morgengrauen (unten).
Herzliche Grüße, Jürgen

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Abgelaufen

d4x_1902Samstag, 31. Dezember 2016

Das Jahr 2016 ist abgelaufen, seine Zeit ist zuende. Den Jahresrückblick zum Jahreswechsel erspare ich mir. In den Tiefen dieser Website, unserem Jahreslauf, findet jeder genug: Man braucht sich nur durch die Monate zu klicken, um zurückzublicken auf das, was bei uns auf Gröde aktuell gewesen, abgelaufen, und doch gleichzeitig noch gegenwärtig ist.
Die Monate am rechten Bildschirmrand als Timeline, als auseinander gezogenes und in Abschnitte aufgeteiltes Leben, aneinander gereiht, als Möglichkeit, als bewusste Möglichkeit, ja quasi wie ein Werkzeug, um die Allgegenwart alles Möglichen, aus der unser Leben besteht, in einzelne Segmente zu zerlegen und sie nacheinander ablaufen zu lassen. Jeder einzelne von uns bricht sie sogar noch weiter herunter in Wochen, Tage, Stunden, in „Jetzt und Hier“ und „Nachher und Dort“.
Jetzt gerade sitze ich am Frühstückstisch und schreibe. Nachher gehe ich nach draußen in den nasskalten Wind und mache einen Spaziergang mit dem Hund. Und was ist dazwischen, zwischen den Abschnitten? Was verbindet die Abschnitte? Intuition vielleicht? Die spontane Entscheidung, doch vorher noch ein Telefonat zu führen? Was beeinflusst uns von außen? Ab September dürfen in der EU keine Staubsauger mehr mit mehr als 900W Leistung verkauft werden. Jetzt noch schnell einen neuen kaufen oder warten, bis die Ingenieure effiziente Modelle mit sparsamem Motor entwickelt haben? Die Zeit und unser Bewusstsein geben unserem Leben Struktur, auch die Timeline unserer Entscheidungen. Sie zerlegen unsere zeitgleiche Allgegenwart alles Möglichen in kleine Häppchen, die leichter zu verdauen sind.
Ich unterbreche den Gedankenstrom, weil mir einfällt, dass das Teewasser gekocht haben muss, stehe auf, gieße den Tee in die Kanne und setzt mich wieder an den Tisch mit dem Stück Papier  und dem Bleistift zwischen Frühstücksbrett, Butter, Marmelade und Weihnachtskarten. Herzlichen Dank für all diese Gedanken und Nähen aus der Ferne, Eure Grüße, die alle von Allgegenwart und Gleichzeitigkeit künden. Jeder von Euch an seinem Schreibtisch sitzend und zugleich mit seinen Gedanken an Gröde, an uns, an Euch selbst. Bewusste Entscheidung, einen Gruß zu schreiben. Doch – steckt dahinter nicht die Triebkraft einer unbewussten Welt, einer Welt der Träume und Sehnsüchte, in der alle Möglichkeiten stattfinden dürfen, und das sogar gleichzeitig, wenn es sich gar nicht mehr steuern läßt? Bei mir ist das manchmal so.
Ich stehe wieder auf, den Tee abzugießen, fülle zwei Tassen, eine für Sabine und eine für mich, die jetzt dampfend vor uns stehen, da wir beide am Frühstückstisch sitzen, an dem Tisch mit den Frühstücksbrettern, mit Butter, Marmelade und Euren Gedanken auf den Weihnachtskarten, alle gleichzeitig direkt vor uns. In diesem Moment kommt ein Foto von Malin auf meinem Handy an: Sie probiert gerade ihren Smoothie-Maker aus, den sie sich zu Weihnachten gewünscht hatte, jetzt, aber nicht hier, während ich schreibe, Sabine Tee trinkt, und Luzi, die soeben ein Stück Pansen verspeist hat, durch den Garten strolcht.
Die Gleichzeitigkeit sei schwer zu fassen, meint Sabine, und ich gebe ihr Recht. Leichter ist es, in Abschnitten zu denken. In ein paar Stunden ist das Jahr 2016 beendet. Die Zeiteinteilung bleibt gewahrt.
Wir wünschen Euch für den neuen Abschnitt, den wir 2017 zählen, Gesundheit, Bewusstsein, Klarheit und Realitätssinn, aber ebenso auch Gefühle und Wege, sie auszudrücken, dazu Träume, viele Träume, in denen die Allgegenwart alles Möglichen leben darf, zeitgleich mit allen uns umgebenden Realitäten. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch, um so mehr, wenn wir in Euren Weihnachtsgrüßen Sätze finden wie „Wir können auf der Hallig immer so wunderbar abschalten, und Ihr bietet uns die perfekte Umgebung dafür“. Wir fühlen uns gut aufgehoben in Euren schönen Gedanken. Herzlichen Dank für dieses Bei-uns-sein während Eures Bei-Euch-selbst-sein.
In diesem Sinne. Wir wünschen Euch viel Glück im Neuen Jahr 2017,
Zufriedenheit und Ganzheit.
Sabine und Jürgen

Weihnachtssturm

d4x_1876Montag, 26. Dezember 2016

Wie schön ist es, nach einem kurzen Blick über die Hallig wieder in die gute Stube zu kommen, warm, nach gutem Essen duftend. Gröde steht unter Wasser, auch heute Nacht ist Landunter angesagt, und die Sturmböen peitschen tanzende Gischt vor sich her.
Herzliche Grüße, Jürgen

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Ruppiges Weihnachtswetter

d4x_1820Freitag, 23. Dezember 2016

Wir erwarten kein schönes Weihnachtswetter auf Gröde, keinen Sonnenschein und keinen Schnee.
Wir freuen uns statt dessen, dass unsere Kinder für ein paar Tage gekommen sind! Wir freuen uns auf gutes Essen, aufs Weihnachtspost lesen, ein paar Geschenke schenken und auspacken, auf gemütliche Stunden, und darüber, dass wir heute Abend unseren Weihnachtsgottesdienst feiern durften. Pastor Krämer und vor allem unser Kapitän Heinrich v. Holdt machten es möglich. An beide ein herzliches Dankeschön!
Jetzt ist Weihnachten, und sogar die Empfehlung aus dem Wetterbericht auf Tagesschau.de passt dazu: „Man darf sich vor allem im Küstenumfeld auf ruppiges Weihnachtswetter einstellen, auch wenn in den Innenräumen besinnliche Stimmung herrscht.“ Schmunzel …
In diesem Sinne – Wir wünschen unseren Familien, Freunden und Feriengästen fröhliche Weihnachtstage mit entspannten Momenten, Gelassenheit und guten Gedanken.

Herzlichst!
Sabine und Jürgen

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Nebelsonne

d4x_1654Freitag, 25. November 2016

Arme und Augen hoch in den Himmel, er ist gerade so schön!
Morgennebel, übergefroren auf den Wiesen, kurz vor dem Mittag hat die Sonne den Nebel überstiegen, und wenn sie sich verabschiedet kommt der Nebel zurück.

Ein lustiges Wochenende wünschen Jürgen und Sabine
und natürlich einen schönen, kerzenduftigen 1. Advent!d4x_1670d4x_1688