Archiv der Kategorie: Neuigkeiten

Tante Adelheid

Dunnersdag, 8. August Zweedusendnegntein

Dissen Summer weern de Langenesser Hallieens-Schauspeelers um Fiede Nissen weder op Gröde, dit mal, um uns mit Tante Adelheid to erfreuen. Vör twee Johr keem se mit „Pottscherben„, vör dree Johr mit „Dat Schwiegermonster„. Letzt Johr het das leider mit de Presse nich klappt, aber dit Johr weer de Schornalist weder darbi. Und vun Lüttmoor keem ok wedder Gerd-Walter und Thore mit een ganze Boot vull Lüüd na uns Gröder Theater. Veelen Dank för disse Aabend an de Langenesser Halieens und an de Gröder Bühnenopbuer. Und nu:
VÖRHANG OP!

De schöne Wilma … as se bi Egon een fremde BH funden hat, is se em afhaut. Und Egon meent nu, dat em gar nichts schöneres passeren kunn: Endlich weder fri! Und he freut sick … und he lamentiert … und he schwiert mit sine Fründe Paul und Fritz.
Mitten in jer Skatspiel klingelt dat an de Dör: De Postbüddel bringt een Bref vun Tante Adelheid: Ganz oplöst lest Egon vör: Mein lieber Neffe! … Tante Adelheid söcht een Nafolger für eern Krog, und nu will se Egon und Wilma besöken, will kiecken, ob Egon und Wilma wol de richtigen weern für eern feinen Krog. In een halbe Stünd is se al dor.
Und nu ward dat opregend in de „Mommsenhalle“ op Gröde.
Wilma! Wo bist Du? Egons Kindheitsdroom von’n eegen Gasthof ist nu so dicht bi und toglicks so wiit wech wie sin Wilma.
Fritz hät een fikeliinschen Idee: Ut Paul nun jo Wilma warn. Paul is bannig nich begeistert, aber nich lang, und he makt mit. Een BH is jo all dor, und tohopen plünnern Egon und Fritz em an: Ut Paul ward Paul-Wilma, mit Appelsinen in de BH und Strümpbüx an und mit een fesche Kleed ut Wilmas Schapp, denn bloß noch Perück op und een beten Farv int Gesicht, und schon kann de nüe Wilma sick sehen laten. Und fast rechttidig kummt se mit Fritz in de Stuv, wo Tante Adelheid al ungeduldig tövt.
Fritz is nu Pützbüddel und Paul-Wilma speelt eer Rull, bloß Tee kocken kann se nicht, aber toon Glück kummt Paul sin Fru Frida vörbi, is bannig överrascht und verschwind straks mit Paul-Wilma in de Kök. Fritz versöcht nu, Tante Adelheid deep in de Ogen to kiecken, doch se weert sick luut gegen sin Hypnosespökenkrams. Eerst als Paul-Wilma und Frida weder ut de Kök kom, klart de Luft langsam op. Und plötzlich steit dar uk noch de richtige Wilma in de Dör, und Egon is nu wirklich in de runde Fenn.
Fritz rettet se all ok ditmal! Em plagt das schlechte Geweten, denn de falsche Wilma is jo op sin Mist wussen. He sorgt nu daför, dat sick alle wedder verdrägen, und ant Ende geit Egons Droom doch noch in Erfüllung.

Junisommer

Sonntag, 30. Juni 2019

Sonnige Tage, warme Tage, heiße Tage, davon hatte der Juni viele im Gepäck, sodass wir manchen Abend sogar draußen verbringen konnten. Einige wenige Tage brachten Regen und Gewitter, aber längst nicht soviel wie in anderen Teilen Schleswig-Holsteins.
Am Anfang des Monats fanden wir einen Heuler, ein noch ganz junges Tier. Der Seehundjäger hat es abgeholt und in die Aufzuchtstation Friedrichskoog gebracht.
Das Brutgeschäft der Seevögel ist in vollem Gang. Die meisten Küken sind inzwischen geschlüpft und die Altvögel haben alle Schnäbel voll zu tun, die Kleinen satt zu kriegen. Ihr aufgeregtes Kreischen läßt Gröde sommerlich erklingen.
Liebe Grüße, Jürgen

Maitage

Mittwoch, 29. Mai 2019

Die Tage des Mai. Morgen sind es 30, und einen Tag später ist der Mai schon vorbei, Vergangenheit, Geschichte. Der Mai ist mein Lieblingsmonat, die erste warme Jahreszeit nach dem Winter und alles beginnt zu leben, aufzublühen, Mensch, Tier, die Pflanzen, und das Meer wird langsam wärmer. So auch in diesem Jahr. An einem der ersten Maitage kamen die Rinder nach Gröde; welche eine Freude die Tiere zeigten, nachdem sie aus dem Schiff heraus waren, einfach schön zu erleben. Jetzt ziehen sie jeden Tag über die weiten Salzwiesen und liegen genüßlich in der Sonne. Bisher sind sie von Regen und Schietwetter verschont geblieben, auch wenn die Wiesen das gut gebrauchen können.
Aber nicht nur die Rinder sind wieder auf Gröde. Die Maitage sind auch die Tage vieler Zugvögel, die entweder hier rasten, bevor sie weiter nach Norden fliegen, oder aber bleiben und brüten. Überall trifft man auf ihre Gelege, einzeln und versteckt oder in großen Kolonien, deutlich sichtbar und wehrhaft. Heute beobachtete ich einen Greifvogel, der von einem Schwarm Lachmöwen angriffslustig vertrieben wurde. Feriengäste sind eine paar da, aber nicht viele, es sind die Ruhesucher, die lange Spaziergänge unternehmen auf Gröde, inmitten von Wind, Meer, Weite und all den Tieren. Morgen kommen unsere Kinder übers lange Wochenende – ich freue mich auf die letzten zwei Tage des Mai. Herzliche Grüße, Jürgen

Ostern

Karfreitag, 19. April 2019

Ostern steht vor der Tür und das Wetter ist fast sommerlich. Irgendwie aber auch zu trocken. Die Hallig ist vereinzelt frisch grün, an vielen Stellen noch grau und schon staubig, weil von den vielen Landuntern im März eine Menge Schlamm liegengeblieben ist. Der Vogelzug ist in vollem Gange und es sind aktuell viele Ringelgänge auf der Hallig, aber auch Weisswangengänse. Da wir unsere Schafe im August verkauft haben, gibt es dieses Jahr keine Lämmerfotos. Statt dessen ein paar aktuelle Impressionen aus den vergangenen Tagen: Sommerlich helle und trockene Hallig.
Wir wünschen Euch ein fröhliches Osterfest und ein paar Tage zum Ausruhen!
Jürgen und Sabine

Von Gesang und Wasser

Samstag, 16. März 2019

Gibt es ein verbindendes Element von Gesang und Wasser?

Wie wäre es mit Luft,  Atem, Wind und Sturm? Gesang und Wasser, durch sie bewegt, schwellen an, schwellen ab, mit heftigem Wind, mit sanftem Wind. Gemeinsam mit dem Wind formen sie Geschichten für die Menschen, die doch stets danach suchen, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Einatmen. Den Wind in sich hineinhauchen. Ausatmen. Den Wind langsam und sparsam durch die Stimmbänder wehen, daß sie schwingen, zu Tönen auf dem Notenblatt springen, nicht höher und nicht tiefer, möglichst.

Auf Gröde, der Sturmwind dieserzeit, macht das auch, mit Macht, heult aufs Neue jeden Tag um die Ecken der Häuser der Warft, bringt Reethalme zum Schwingen und dicke Drähte zum Singen. Treibt hoch vor sich her, draußen auf dem Meer, die Wasser der Nordsee, macht Geschichte mit ihnen, seit je her, formt Wellen und Gischt, es brodelt und zischt, und drückt sie an Halligkanten und weit darüber hinweg, sodaß Gröde, reduziert und konzentriert, auf die Größe zweier Warften schrumpft, mit Mensch und Tier.

Reduziert auf einen kleinen Flecken Land, und dennoch nicht allein, nein, im Chor der anderen Warften auf den anderen Halligen. Salzige Wiesen atmen salziges Wasser. Reduziert auf das Wesentliche, auf sich selbst, die eigene Stimme, erklingt eigener Gesang, und dennoch nicht allein, nein, im Chor mit anderen Menschen.

Dort beginnt die eigene Geschichte, die es noch zu erzählen gilt, die das Herz froh machte in all dem Sturm, die Episode meines Abends des gemeinsamen Singens mit der musikalischen Familie in unserem Haus, Eltern und zwei Kinder, die auch erwachsen. Sopran. Alt. Tenor. Baß der Vater auf dem Sofa, zu dem ich meine Stimme geselle — schon sind wir ein Chor und nicht allein. Mit Text und Noten und Wind in den Stimmen, nicht so heftig wie draußen die Sturmfetzen, nein, sanft und froh, verbunden.

Danke. Jürgen

 

Biike 2019

Donnerstag, 21. Februar 2019

Es sind bestimmte Geräusche, die mich daran erinnern, dass der Biikefeuerabend auf Hallig Gröde kurz bevor steht. Die Säge in der Hand des Sägenden zieht rhythmisch ihre Spur durch das Holz des Astes, ritsch und ratsch und tief und tiefer, mit jedem Zug und jedem Stoß, wieder und wieder, bis der Ast sich seufzend neigt — dann knackt. Lautlos rieselt Späne hinab. Das Blut pulst in den Ohren des Sägenden und sein Atem fährt böig hinaus in den frischen Wind.

Das Rascheln und Knicken und Knacken der kleinen Zweige und der großen Äste beim Zusammentragen und beim Forttragen aus dem Garten und beim Aufladen auf den Anhänger. Dasselbe Geräusch, nur etwas lauter und konzentrierter beim Zusammenstauchen derselben auf der Ladefläche des Anhängers, brechendes Krachen eines morschen Holzes. Schmutz rieselt prickelnd von aneinanderklatschenden Handschuhen. Die in schlammigen Stiefeln steckenden Füße schlurfen zurück in den Garten. Seine Handschuhhände greifen erneut Zweige und Äste, seine Arme drücken ein ganzes Bündel knisternd zusammen. Der hinaufgewuchtete Stamm bahnt sich schwergewichtig seinen Weg durch das Gestrüpp und und bleibt mit dumpfem Aufschlag auf den Planken des Anhängers liegen. Das Blut pulst in den Ohren des Arbeitenden und sein Atem fährt böig hinaus in den frischen Wind.

Die rechte nicht mehr behandschuhte Hand rührt mit den Ganghebeln die ölgedämpften Zahnräder mit ihrem technisch metallenen Klacken voneinander im Getriebe des alten Traktors. Ein sanfter Druck seines rechten schlammigen Stiefels übt auf das rostige Gaspedal eine quietschende Bewegung aus – ein zweites Mal – ein drittes Mal, stetig quietschend, bevor seine linke Hand den Starterknopf zieht. Bange Erwartung, dann die Erleichterung: Mit einem Schlag rasten die Zähne des kleinen in die des großen Zahnrads, und laut stöhnend jault der alte Anlasser auf. Gottlob zeigt seine heulende Schwerstarbeit die Rückkehr seiner Lebendigkeit an. Vor ein paar Tagen war er einfach still geblieben, kein aufstöhnendes Aufjaulen. Gut hatte der auf dem alten Traktor sitzende dem alten Anlasser zuzureden versucht, mit sanften Hammerschlägen und rostknirschenden Drehungen an den Verschraubungen. Jetzt hört er freudig dem lustvollen Schwungholen und dem rhythmischen Hinauf- und Hinabschleudern der Kolben zu, bis die harten Dieselexplosionen dem alten Anlasser die Arbeit abnehmen und den engen Traktorschuppen mit tigergleichem Gebrüll erfüllen. „Ja!“ ruft er vor lauter Freude, „Er läuft wieder!“ Ein dumpfer Schlag im Getriebe unter seinem Sitz beim Springenlassen der Kupplung antwortet ihm, dass er jetzt mit dem Ganghebel rührend ölgedämpft das Rückwärtsgangzahnrad einschieben kann, bevor der alte rostgrüne Deutz sich in Bewegung setzt. Gummiknirschend mahlen die Reifen über den Beton bis vor den Anhänger. Wuchten der Deichsel ins Zugmaul, und metallklirrend fällt der Zugbolzen ins Loch. Das Blut pulst in den Ohren des Wuchtenden und sein Atem fährt böig hinaus in den frischen Wind.

Die Stille vor dem Feuer. Dann das Wispern der kleinen Flammen, die schnell zu zischen beginnen inmitten des nassen Holzes. Wie flatternde Fahnen tuscheln sie immer lustiger und lebendiger, bis die Biike mit knisternder Wärme vollends brennt, bis die Flammenberge stürmisch brüllend ihre Lebenslust in den Himmel rufen, bis sie die lachenden Gesichter vergolden, die sprechenden Lippen, die schmatzenden Schmalzbrotlippen und die Hände um die Becher mit dampfendem Glühwein. Das Blut pulst in den Ohren der Vergoldeten und ihr Atem fährt böig hinaus in den frischen Wind.