Archiv des Autors: Jürgen Kolk

Aprilhimmel

Samstag, 30. April 2022

Trocken ist es. Die Hallig hat lange keinen Regen gesehen. Der Himmel über Gröde ist immer wieder blau. Dazu frisch und kühl, tagelang starker Ostwind, dann ein kühler Nordwind. In windgeschützten Ecken aber wunderbar wärmende Sonne.
Die Vogelwelt ist vollzählig. Viele Ringelgänse grasen auf den Salzwiesen und füllen den Himmel mit ihren großen Schwärmen. Die Graugänse brüten. Die Lachmöwen haben ihre angestammten Kolonien in Besitz genommen. Und seit kurzem sind auch die Seeschwalben zurück von ihrer langen Reise. Der Seevögel allgegenwärtiges Rufen und Piepen und Kreischen und Flöten und Zetern und Jubilieren über den Frühling auf Gröde ist meine liebste Geräuschkulisse draußen auf der Hallig.
Wir wünschen Euch einen schönen ersten Mai! Jürgen und Sabine

Potpourri

Donnerstag, 31. März 2022

Das ging schnell, rein gefühlt meine ich, reine Wahrnehmung.
Kaum dass der März angefangen hatte, …, heute ist er schon wieder vorbei. Ein Aprilscherz war der März nicht, den gibts erst morgen. Der März war für Sabine und mich ereignisreich und voller Jetzt und Hier, ein Potpourri aus sonnendurchfluteten Frühlingstagen, arbeitsreichen Alltagen, vorbereitenden Putztagen (ja, wirklich: Frühjahrsputz in unseren Ferienwohnungen) vor der neuen Saison, kopfrauchenden Organisationstagen, um den Traktor mit Motorschaden ans Festland zu transportieren, planungsvollen Besuchstagen mit unseren Kindern, um deren Festvorbereitungen zu unterstützen, turbulenten ersten Arbeitstagen in meinem neuen Job inkl. beruflichem Ausflug nach Sylt – auch eine schöne Insel, mit ähnlich schönem Strand wie auf Gröde 😉 und – und – und – und zwischendurch einfach mal den Blick ruhen lassen auf schönen Momentaufnahmen zwischen den Ereignissen.
Herzliche Grüße! Jürgen

Ylena und Zeynep

Samstag, 19. Februar 2022

Neue Namen für neue Sturmtiefs. Zur Zeit kommen sie in und mit Gruppen, diese Stürme, egal, ob die Menschen Gruppen in diesen pandemischen Zeiten nun mögen oder meiden. Die Stürme interessiert das nicht. Ylena brachte eine Landuntergruppe mit. Zeynep stieß anschließend mit voller Lunge ins Horn und nahm mit Anlauf Gröde in den Griff. Heulend und donnernd rasten seine Böen gruppenweise über unsere Warften und rüttelten an unseren Dächern. Aber die blieben standhaft ohne Schäden. Gewaltig sammelnd schoben Zeyneps Winde die Nordsee vor sich her auf die Küste zu, und so fand Hallig Gröde sich nachts inmitten tosender Wellengruppen wieder. Fast drei Meter über normalem Hochwasser stieg die Flut auch unsere Warften hoch, nahm die Kirchwarft mit Leichtigkeit und arbeitete sich dann an der Knudtswarft ab, die Deichkrone in Reichweite, bis die Ebbe ihr langsam Einhalt gebot. So manche Welle schaffte den sportlichen Schwung hinein in die Warft — zum Glück nicht viele.
Uns geht es gut. Mit dem Aufräumen warten wir noch eine Weile, die nächsten Stürme sind schon angekündigt.
Herzliche Grüße, Jürgen und Luzi.

Nadja

Montag, 31. Januar 2020

Nach dem Sturm ist vor dem Sturm, und die Ruhe nach dem Sturm ist zugleich die Ruhe vor dem Sturm und außerdem die Ruhe zwischen den Stürmen. Sturmtief „Nadja“ hat uns auch auf Gröde ordentlich durchgeschüttelt. Unsere wenigen Bäume stehen noch, aber ein paar morsche Zaunpfähle und ein verrostetes Geländer am Westanleger liegen flach. Morgen geht es stürmisch weiter. Unsere Salzwiesen und die ganze Halophytengesellschaft freuen sich schon auf die Landunter der nächsten Tage. Und wenn wir den Wettervorhersagen vertrauen, kommt am Wochenende weiterer Sturm.
In diesem Sinne … genießt die Ruhe zwischen den Stürmen Eures Lebens!
Herzliche Grüße, Jürgen

Neujahr

31. Dezember 2021

Das Jahr 2021 ist vorbei. Zwei Stunden noch, dann beginnt das neue Jahr. Zeit, dass wir uns endlich mal wieder melden. Weihnachten waren Sabine und ich ganz für uns. Nach viel getrennt unterwegs sein und vor Sabines Reise nach Finnland für zwei Monate eine schöne Zeit für uns. Gleich danach sind unsere Kinder und Schwiegerkinder gekommen und haben ihre Lebendigkeit und ihre Themen mitgebracht. Gemeinsam verbringen wir auch diesen letzten Abend des alten Jahres. Auch zwei gute Freunde sind zu Besuch, das gemeinsame Essen mit allen war wirklich lecker … Dank an Andreas, der wieder seinen wunderbaren Schweinebraten gezaubert hat, und an Constanze, die mit Tiramisu überraschte. Ausruhen und der Mitternacht entgegen sehen ist jetzt angesagt. Und dann beginnt das neue Jahr, in dem Sabine und mich schöne und aufregende Ereignisse erwarten. Wir freuen uns darauf!
Wir wünschen auch Euch ein schönes und aufregendes neues Jahr, schöne Perspektiven, gute Gedanken und gute Entscheidungen. Bleibt gesund!
Wir freuen uns auf das Wiedersehen mit Euch.
Herzlichst, Jürgen und Sabine

Stille

16. November 2021

Stille.
Klare Linien. Unbewegt. Innehalten.
Das Watt. Der Himmel. Die Farben. Alles schwindet zu grau.
Der Wind –
– still.
Meine Schritte im Gras, auf den Muscheln. Fast laut.
Ein Reiher krächzt, erhebt sich und entfliegt. Sonst nichts.
Luzi neben mir. Gemeinsam genießen wir.
Stille.

Oktobersommer

31. Oktober 2021

Nach dem Sommerende belohnte uns der Herbst auf Gröde mit einem Oktober, der an vielen Tagen wie ein Sommermonat war. Die Herbstferien erlebten wir wie die zweiten Sommerferien in diesem Jahr, nicht nur vom Wetter her, auch weil soviele Kinder bei uns im Haus waren. Sie verbreiteten Lebenslust und Sommerstimmung. Gemeinsam erlebten wir letzte Bäder in der schon kühlen Nordsee, wir erlebten Lagerfeuer mit Sonnenuntergang, und wir erlebten Märchenabende für alle mit Susanne und Klaus. Das waren wirklich intensive Wochen. Zum Ende des Monats fauchte der Herbst dann schon mal, schickte viel Wind und viel Wasser und setzte die Salzwiesen unter Salzwasser. Jetzt trommelt der Regen an die Fenster – der November kann kommen.
Vielen Dank an Euch alle für diesen wunderbaren Oktobersommer! Jürgen und Sabine

Sommerende

Donnerstag, 30. September 2021

Der Sommer ist vorbei und die ersten Herbsttage brachten gleich die ersten stürmischen Tage mit sich. Die Rinder sind abgereist und unser neues Viehhock hat sich als tauglich erwiesen, auch wenn noch kleine Nachbesserungen nötig sind. Inzwischen sind Ringelgänse zurück aus Sibirien und rasten draußen im Watt, wo noch viel Seegras wächst.
Viele Grüße von Hallig Gröde, Jürgen

Regengrau

Sonntag, 29. August 2021
Ich begrüße den regengrauen Sonntagmorgen mit tiefen Atemzügen in der frischen und feuchten Luft. Luzi und ich machen gemeinsam eine Morgenrunde über die Hallig nach der langen Nacht, in der sich Phasen bleiernen Schlafes mit Phasen unruhigen Halbwachens in dämmerigem Morgengrau abwechselten. Eigentlich erwartet mich ein Sonntag. Nichts steht an. Kein Gästewechsel, keine Wohnungen putzen und vorbereiten für neue Urlaubsgäste – das haben Sabine und ich alles schon gestern und vorgestern erledigt. Keine Telefonate, keine Planungen, keine Organisation. Das neue Viehhock auf Hallig Gröde ist im August fertig geworden – richtig gut! Aber die Unruhe läßt mich nicht wirklich los. Zu viele andere Baustellen, ToDos und Ideen springen mir durch den Kopf. Wahrscheinlich sind es weniger die äußeren Baustellen, die mir gerade die Ausgeglichenheit rauben, sondern vielmehr die inneren, die sich ihre Platzhalter suchen, hinter denen sie sich verstecken. Aber da heute Sonntag ist und nichts ansteht, will ich versuchen, ihnen Raum zu geben, sie annehmen, akzeptieren. Lösungen werde ich für sie heute nicht finden. Oder vielleicht doch? Wenigstens Einordnungen, Ansätze und Perspektiven … Wenn ich es schaffe, den Unruhezustand anzunehmen, wenn ich mir sagen kann: Es ist so!, dann ist dafür einiges getan.

Salz

Samstag, 31. Juli 2021

Salz auf der Haut. Sommerwetter und Badewetter im Juli fast bis zum Schluss. Zuletzt dann ein Regen- und Sturmtag mit Landunter: Salzwasser auf der Hallig und in den Stiefeln.

Sommer. Barfuß laufe ich über weiches Halliggras und sonnenwarmen Felsen der Steinkante, in deren Vertiefungen sich funkelnde Salzkrusten bilden, wie lauter kleine Diamanten. Im Wind und in meiner Nase der Duft des üppig blühenden Halligflieders. Ich schwimme in der Nordsee, ihr salziger Geschmack auf meiner Zunge. Unsere neue Badetreppe ist wunderbar! Zum Trocknen sitze ich auf den warmen Steinen. Das Salz prickelt auf meiner Haut. Mein Blick will auf Wellen und Horizont ruhen, aber das Glitzern der Wellen unter dem blauen Himmel ist so intensiv und die Tage sind so bewegt, dass die Ruhe nicht wirklich einkehren will. Erst abends, wenn der Wind zur Ruhe kommt, komme auch ich zur Ruhe. 

Donnerstagabend kamen der Wind und ich nicht zur Ruhe, beide nicht, und auch andere auf Gröde nicht, Mensch und Tier, denn wir holten bei Sturm die Rinder auf die Warft, weil die Nordsee – ebenfalls unruhig und wild bewegt – unsere Salzwiesen überschwemmte. Abwechselnd hielten Nick, Volker und ich Wache in der Nacht bei den Tieren. Am nächsten Morgen durften sie wieder auf die durchnäßten Wiesen zurück. Nach getaner Arbeit – aufräumen und saubermachen – bescherte uns die Sonne zur Belohnung gleich wieder einen Tag mit Badewetter – der Sommer geht weiter … 
… jetzt auch auf Instagram: @kolkhalliggroede

Herzliche Grüße
Jürgen und Sabine