Warten

31. Oktober 2019

Warten auf Gröde am wunderbar sonnigen 30. Oktober, so schön wie ein Spätsommertag. Gestern Nachmittag, nach der Arbeit, brachte ich Sabine und zwei Journalisten zum Anleger … warten auf’s Schiff. Diesmal warteten wir auf die Adler Express, weil sich das Warten auf unsere vertraute Seeadler nicht lohnte: Zu unsicher die Aussichten, ob unser Lieblingskapitän Gröde anlaufen kann. Er hatte selbst zu warten auf seine Chartergäste, warten, daß sie ihm ihren Abfahrtswunsch signalisieren. Darauf konnten wir auf Gröde aber nicht warten, und so war die Adler Express unser Schiff des Tages, gleichzeitig ihr letzter Stop auf Gröde in diesem Jahr. Also sanft anlegen und dann hurtig von Gröde nach Hörnum/Sylt, weiter mit dem Bus nach Westerland und von dort mit dem Zug nach Bredstedt. Warten auf das Schiff, zusammen mit Sabine, den Journalisten und den Tagesgästen, die die Adler Express knapp eineinhalb Stunden vorher auf Gröde von Bord gelassen hatte. Sie ertrugen das Warten zufrieden nach der Führung, die Sabine ihnen in der Kirche geboten hatte. Manch einer stellt noch eine verspätete Frage. Ich verabschiedete mich von den Journalisten und spähte den Horizont entlang im Südosten, sah das Schiff ganz klein, flitzend. Nun dauerte es nur noch ein paar Minuten, wir brauchten nicht lang zu warten, denn die Adler Express ist ein schnelles Schiff, wie ihr Name schon sagt: Warten kennt sie nicht. Ist man erstmal an Bord, heißt Warten Bewegung: Warten auf den nächsten Hafen ist Bewegung zum nächsten Hafen. Auf den Bus in Hörnum brauchten sie nicht lang zu warten, wohl aber auf den Zug in Westerland. Während Sabine und die Journalisten sich also abwechselnd wartend und bewegend von Gröde nach Bredstedt begaben, wartete ich auf das schönste Licht des Tages, saß auf der Steinkante, und mit mir warteten nur Luzi und ein paar Eiderenten auf die Sekunde, in der die Sonne den Horizont berührt, niemand sonst. Je länger wir warteten, desto mehr Gelassenheit stellte sich ein. Minutenlang schweifte mein Blick in die Ferne. Minutenlang trieben meine Gedanken übers Meer. Minutenlang schwieg ich. Minutenlang nahm ich die Veränderung des Lichts wahr, die Intensivierung der Farben, die Intensivierung des Beimirseins. Warten lohnt sich auch mal. In diesem Sinne! Jürgen

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