Septembermorgen

Samstag, 14. September 2019

Aufschrecken aus dem rätselhaften Traum.
Ich fühle mich erschöpft. Was für eine endlose mühsame kleinliche gehetzte lösungslose Geschichte: Nur ihr Ende projiziert sich als lose Bilderfolge auf die dunkel wabernde innere Leinwand. In dieser Bewegung vermischen sich die Szenen zunehmend mit meinen Fragen nach dem Geschehen des Traumes und wandern hin zu meinen Vorstellungen von einer möglichen Fortsetzung (Lösung?) und würfelt die Reihenfolge der erlebten und vorgestellten Bilder unentwirrbar durcheinander, je länger ich liegen bleibe. Während ich ein Bein oder einen Arm anspanne, den Kopf in das Kissen wühle, mit geschlossenen Augen dem hinterlassenen Gefühl nachspüre, wechseln sich die Bilder ab.

//Aus einer Öffnung oben auf der Motorhaube meines Traktors quellen Ströme von Kühlwasser und schüren meine Angst vor Überhitzung und Zerstörung des alten Motors.//
//In einer Garage entferne ich die Motorhaube, aber jetzt ist es die auf einem sehr altem Auto aus den 1920er Jahren, es hat jedoch die gleiche Farbe rot wie mein Traktor.//
//Ich suche die Ursache für den Kühlwasserverlust, aber unter der Öffnung in der Motorhaube finde ich kein Äquivalent im Motorblock.//
//Vorne, wo der Kühler sitzen soll, ist eine Menge Platz. Dort liegen hölzerne Kisten mit Flaschen, beklebt mit uralten Etiketten, die von uraltem Wein aus Frankreich erzählen.//
//Unter diesen Kisten finde ich etwas, das aussieht wie ein Autokühler ohne Schläuche, wie alte verrostete Kühlrippen, aber es ist nicht größer als ein Taschenbuch, steht in einem Scharnier und läßt sich nach vorne und nach hinten klappen.//

Mitten in diesem Bild schrecke ich auf aus meinem Traum, ohne eine Ursache für den Kühlwasserverlust gefunden zu haben. Wonach suche ich wirklich? Wo ist der Weg, meine Suche zu beenden?

Draußen auf dem Deich mein Blick gen Osten in die bereits hoch über dem Horizont am blanken Himmel stehende Sonne, die Nordsee und Salzwiesen in gleißendes Licht taucht. Fern im Fahrwasser ein Boot mit leuchtend weißen Segeln, wie treibend — langsam. Letzte Schwalben auf der Wäscheleine. Eine Gruppe Rinder trottet im Gegenlicht gemächlich Richtung Tränke: Einige grasen. Einige heben den Schwanz. Einige scheuern ihre Köpfe genüßlich an den Zaunpfählen. Andere stehen an der Pforte und schauen neugierig den Deich hinauf zu Luzi, die vor mir im Gras liegt. Es ist September, kontrastreich, die Nächte schon länger und dunkler, die Tage oft strahlend hell. Ich sitze auf der weißen Bank und lese. Die rätselhaften Traumbilder fast verblasst. Ich lege das Buch zur Seite. Meine Augen blinzeln dem Licht entgegen, dem neuen Tag, seinen neuen Möglichkeiten.

In der Küche treffe ich Sabine, die gerade die vom letzten Sturm abgeknickten Sonnenblumen ins Haus geholt und einen bunten Tisch geschmückt hat. In diesem Sinne!
Herzliche Grüße, Jürgen und Sabine

2 Gedanken zu „Septembermorgen

  1. Claudia

    Hallo Jürgen, danke für deine schönen Zeilen und die Fotos. …immer wieder spannend von einem Traum berichtet zu bekommen. …und endlich mal wieder Sabine & eure gemütliche Küche gesehen! Sehnsucht!!!! Wie heimelig schön mit den Blumen & der Ernte…
    Liebe Grüße und Sabine und Luzi bitte 1x (durch)knuddeln, herzlichst Claudia

    Antwort
  2. Constanze

    Hallo Ihr beiden,
    wie schön, Sabine so lachen zu sehen 🙂
    Ich habe einige Posts nachgelesen und in den Halligbildern geschwelgt. Du hast wieder sooo viele wunderbare und tolle Fotos gemacht, lieber Jürgen. Bekomme gerade wieder Sehnsucht nach Gröde … Habe vorhin schon bei Windfinder nach Euerm Wetter geguckt.
    Hoffe, Du hattest noch einige gute Tagesgedanken zu Deinem Traum von damals.
    Liebe Grüße aus dem herbstlichen München
    Constanze :-

    Antwort

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