Grau

Sonntag, 10. Dezember 2017

Zuerst erschien uns in diesem späten Herbst die Langeweile, die scheinbare lange Weile mit ihrer eintönig grau reduzierten Einfachheit, die für den einen oder anderen Zeitgenossen jedoch als Himmel auf Erden herbeigesehnt sein könnte, wenn man sie als Auszeit vom hektisch grau melierten Arbeits- oder Großstadtalltag betrachtet.

Seit einiger Zeit erscheint uns das Grau. Drei Tage lang haben unsere Schafe ihr Leben bei uns auf der Warft verbracht. Schon wieder prasseln graue Regeltropfen an die Fensterscheibe. Vielleicht sollten wir mit Nina Simone singen I got the blues. What can I lose. Good Bye. Selbst unsere Hühner haben sich damit abgefunden, öfter im grauen Matsch als im grünen Rasen zu scharren. Aber es gibt auch Lichtblicke: Sabines strahlende Augen, als sie mir die Hand mit dem ersten Ei entgegenstreckt, das die Hühner nach Wochen der Mauser und Abstinenz gelegt haben!

Weitläufig grauer Himmel mit wandernden grauen Wolken, aus denen nassgraue Regenschauer fallen, manchmal auch geräuschvolle Graupelschauer, und heute morgen sogar einen wirbliger Schneeschauer mit lustigen Flocken, die im Wind tanzten und die Hallig für einige Minuten mit einer hellgrauen, wie frischer Zuckerguß  wirkenden, Schicht überzogen, die – viel zu nass – alsbald wieder dahin schmolz. Die graue Nordsee brachte uns flutenweise graue Landunter. Breite graue Priele stehen auf den nassen Salzwiesen. Die grauen Schafe versuchen der noch graueren Einheitlichkeit zu trotzen und haben sich vom Bock bunte Flecken auf ihre Hintern malen lassen — ein schöner Kontrast beim Blick in die graue Morgendämmerung, lange nach dem Weckerklingeln. Nach einem viel zu kurzen Tag mit einem noch viel kürzeren sonnigen Highlight nahen in langsamem Elefantentrott die grauen Abendwolken aus Westen und künden die baldige Dämmerung an, die grau über grau immer grauer und grauer und dunkler grauer und noch dunkler grauer und dunkelgrau, wirklich dunkel, nachtdunkel über uns kommt. Auf die Sterne ist nicht immer Verlass, aber die Windräder am festländischen Horizont blinken zuverlässig und taktvoll ihr Rot.

Und Sabine und Jürgen zünden jetzt die zweite Kerze an und wünschen Euch einen schönen zweiten Advent mit Lichtblick!

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