Von Herden und Schwärmen

DSC_3663Freitag, 8. Mai 2015

Herden und Schwärme gehören zu Gröde wie die Silhouette seiner Warften.
Wenn bei schönem Wetter mehrere Ausflugsschiffe zur Flutzeit anlanden, schwärmen für kurze Zeit viele viele Tagesgäste gleichzeitig über Kirchwarft und Knudtswarft. Ich persönlich finde das nicht schlimm, auch wenn ich mich dann wie der Bewohner eines Museumsdorfes  fühle, beäugt, befragt und manchmal belächelt. Touristen sind wir doch alle mal, stets auf der Suche nach neuen Eindrücken. Der eine oder andere Tagesgast ersteht für kleines Geld ein Eis, ein Andenken oder ein exklusives Stück handgetöpferte Keramik, um sich zuhause noch lange Zeit an seinen Kurzbesuch auf Hallig Gröde zu erinnern.  Ein paar wenige sind so beeindruckt, dass sie wiederkommen und sich eine Ferienwohnung mieten: Urlaub, Entschleunigung und Ruhe abseits des Herdenlebens in der Stadt. Wenn die Gäste gerne kommen, dann ist dies auch zum Wohle von uns Halligbewohnern, die wir ein Stück weit davon leben, und eine schöne Bestätigung unserer Entscheidung, hier zu leben.

Herden und Schwärme sind der Kontrast zu unserem Leben in relativer Abgeschiedenheit, selbst auf Gröde. Wir leben mit unserer Schafherde das ganze Jahr über. Und in den Sommermonaten betreuen alle Gröder gemeinsam eine Rinderherde. Sie ist vor ein paar Tagen mit zwei Schiffstouren gekommen, 85 Stück Nachwuchsvieh von zwei Bioland-Höfen auf dem Festland, die unsere fetten, reichhaltigen Salzwiesen schätzen. Rinder und Schafe teilen sich die Hallig noch mit Schwärmen von Ringelgänsen, die jedoch in ca. zwei Wochen nach Sibirien weiterfliegen zum Brüten – an ihrer Trägheit beim Starten sieht man, dass sie schwerer geworden sind. Auf der Durchreise sind auch große Schwärme von Knutts, die im Wattenmeer Rast machen. Schwärme von Austernfischern warten auf der Steinkante, dass die Nordsee die Wattflächen mit den Muscheln wieder frei gibt. Die Lachmöwen bilden mehrere große Brutkolonien auf Gröde, in denen sie recht sicher vor den großen, räuberischen Silber- und Heringsmöwen ihre Jungen aufziehen können. Brüten als Schwarm – auch eine Strategie. Die Seeschwalben schließen sich manchmal einer solchen Kolonie an, während die Austernfischer, deutlich sichtbar, vereinzelt brüten. Ihre Eier und Küken sind leichte Beute, auch wenn sie sich oft mutige Luftkämpfe mit den großen Möwen liefern.

Bis auf das Foto von der Ankunft der Rinder sind alle Bilder von heute: Ein herrlich warmer Frühlingstag mit wenig Wind und wunderbarem Spätnachmittagslicht. Wünsche ein erholsames Wochenende! Jürgen

Foto: Rudi Grohmann

Foto: Rudi Grohmann

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Zwei Nilgänse haben sich unter die Ringelgänse gemischt. Ob sie wohl hierbleiben?

Zwei Nilgänse haben sich unter die Ringelgänse gemischt. Ob sie wohl hierbleiben?

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