Hitze

Samstag, 26. Mai 2018

Ach, diese Hitze, herrlich!
Das wäre meine Antwort, wenn mich jemand fragte, wie ich das heutige Wetter finde.
Wie wunderbar warm, jeden Tag aufs neue, und Sonne den ganzen Tag. Ich finde das toll.
Stöhn mir mal einer über diese einzigartig sommerlichen Tage auf Gröde! Den würde ich glatt stehen lassen und mich der Wärme und des Lebens freuen, jetzt und hier. Warum nicht genießen? Das nächste Tiefdruckgebiet kommt bestimmt und hat einen hübschen Namen, der auch nicht hilft gegen Regen, Sturm und 13°C mitten im Juli, wetten?
Heute ist so ein richtig gefühlter Urlaubstag: Barfuß durch das Halliggras, vorbei an Rindern und Schafen, unter Möwen, Austernfischern und Seeschwalben hindurch. An der Badestelle erwartet mich einladend die Nordsee, nur sanft bewellt vom leichten Ostwind — spontan schwimmen gehen, während Luzi oben auf der Badetreppe liegend zuschaut. Anschließend auf dem warmen Granit der Steinkante sitzen und mich von Sonne und Wind trocknen lassen. Irgendwann später setze ich meine nackten Füße von Stein zu Stein …
ganz langsam …
vorwärts …
auch mal rückwärts …
auch mal stehen, nur die Hitze der Steine spürend …
als könnte ich die Zeit anhalten und den Augenblick bis zur Ewigkeit ausdehnen …
Viele Grüße, Jürgen

Das Fest

Montag, 21. Mai 2018

Ein Fest – Ein Fest – Ein Fest wollten wir feiern, Sabine und Jürgen,
weil wir 25 Jahre verheiratet sind,
weil wir 13 Jahre auf Gröde leben,
weil wir Lust darauf hatten!
Das Fest – Das Fest – Das Fest haben wir gefeiert, am 12. Mai 2018, Sabine und Jürgen mit vielen lieben Gästen, die übers Himmelfahrtwochenende zu uns nach Gröde gereist sind: Groß und Klein, Familie, Freunde und Musiker. Einige bereits Donnerstag, andere am Freitag und dann nochmal so viele am Samstag. Wir hatten es einfach gut: Sommerliches Wetter an allen drei Tagen, lecker essen und trinken, gute Gespräche, tolle Stimmung, und Samstagabend Live-Rock vom Feinsten: Mit DR!VE aus Lüneburg ! auf Gröde in der Scheune, yeah ! Abhotten bei Born To Be Wild, Sweet Home Alabama und noch viel mehr … *_-_*_-_*_-_*
Wir danken Euch für diese tolle Party! Euch allen aus Nah und Fern, unseren Nachbarn und unserem Kapitän auf der MS Seeadler. Sie wirkt immer noch nach …
Sabine und Jürgen

Lammzeit 2018

Samstag, 28. April 2018

Na, liebe Gäste, liebe Freunde, lange gewartet? Der März-Winter meines letzten Blog-Eintrags ist lange vorbei, ich weiss. Ostern ist auch schon lange vorbei, weiss ich auch. Und Hanna und Lilly, die uns in diesem Jahr wieder in der Lammzeit geholfen haben, sind schon lange wieder zuhause, denn die Ferien sind auch schon lange vorbei. Vorbei ist seit ein paar Tagen auch das nächtliche Aufstehen, denn die Lämmer sind alle da, und bis auf ein paar Nachzügler auch schon alle auf den Wiesen. Es lief diesmal nicht so rund wie erhofft. Dafür gab es Gründe, die mit uns und mit den Schafen und mit dem Wetter zu tun hatten, aber auch Gründe, die rein gar nichts damit zu tun hatten, nur zusätzliche Belastung brachten. Naja – es kommen auch wieder bessere Zeiten. Mensch und Tier erholen sich jetzt erstmal. Fotos von Hanna und Lilly.
Viele Grüße, Jürgen

Winterimpressionen II

Freitag, 9. März 2018

Es taut. Seit Tagen. Der Winter ist vorbei. Er ist wirklich vorbei.
Ich fühle mich frei, das neue Jahr noch einmal zu beginnen – jetzt mit all dem Leben des kommenden Frühlings zum Greifen nah.
Heute durften die Schafe das erste Mal nach zehn Tagen die Warft wieder verlassen. Abends gibt es trotzdem Heu. Aber jetzt ist Freitag-Feierabend, nach all den tagfüllenden Aktivitäten.
Zum Abschalten drehte ich mit Luzi noch eine kurze Abendrunde: Windlose Abendstille, durchbrochen nur von balzenden Vogelschreien, dazu augenblitzende Sterne am Pastellhimmel und aufsteigender Salzwiesennebel vor Warftsilhouette.
Hatte leider keine Kamera dabei …
Statt dessen: Letzte Winterimpressionen aus der vergangenen Gröder Woche.
Wünsche ein frühlingshaftes Wochenende! Jürgen

Biike 2018

Sonntag, 25. Februar 2018

Da war Betriebsamkeit an Nachmittagen.
Scheunen und Schuppen befreit vom Ballast.
Büsche und Gärten bereit für neues Leben.
Kein Regen. Kaum Wind.

Begrüßungsrauch,
Aufsteigend in den Himmel, sich entfaltend,
Wohlgenährt und warm.

Funken wirbeln wie Gedanken.
Sie knistern tausend Worte, unausgesprochen.
Sie funkeln tausend Blicke, ungehalten.
Worte, die einst gehört.
Blicke, die einst begegnet.
Wahrgenommen, aber flüchtig.

Gedanken wirbeln jetzt wie Funken,
Blitzen auf — und fliehen.
Ihr flüchtiges Sein ist
Das Recht auf Zweifel:
Auch jetzt kein festes Halten.
Auch jetzt nicht verloren.

Tausend Verbindungen wieder knüpfend,
Schwingen Worte und Blicke
Schwerelos.


Worte von Jürgen und Sabine. Bilder von Jürgen.

Fusswellness

Sonntag, 28. Januar 2018

Es ist Wochenende. Sabine ist einige Tage auf dem Festland und ich bin allein in unserem großen, leeren Haus, keine Gäste. Winterruhe. Nur Luzi und ich. Ich beschäftige mich mit liegengebliebener Büroarbeit, sitze viel an Schreibtisch und Bildschirm, das alte Jahr will abgeschlossen werden und das neue Jahr gilt es vorzubereiten, damit unser Betrieb hier geordnet weiterläuft. Einmal am Tag mache ich einen langen Spaziergang über die Hallig, nicht nur für Luzi, sondern auch für mich selbst, raus aus dem Haus, weg vom Bildschirm, von Zahlenkolonnen, sich stapelnden Leitzordnern und der ständig klappernden Tastatur. Luzi und ich gehen jeden Tag denselben Weg. Die Gewohnheit und der Wiedererkennungswert beruhigen ungemein, kaum Ablenkung von außen, kein neuer Abzweig in eine andere Richtung. Luzi weiß schon genau, welchem Weg wir folgen. Wir starten von der Warft Richtung Osten, als erstes über die erste Brücke, als zweites über die zweite Brücke, wo Luzi vor dem Tor stehenbleibt, bis ich mit schwingenden Metalltönen den Riegel ziehe, das Tor öffne, Luzi durchgehen lasse, selber durchgehe und mit der gleichen Geräuschkulisse den Riegel wieder durchstecke. Wir biegen links ab, an den kleinen Anlegern vorbei auf den Sommerdeich und dann am großen Graben entlang immer weiter nach Osten bis zur Möwenecke. Dort auf der Bank ist erstmal Pause angesagt, denn Luzi und ich sind schon ein wenig erschöpft: Unterwegs findet Luzi einen gegabelten Stock, heute denselben wie gestern. Diesen Stock quer zwischen den Zähnen und mit blitzenden Augen schaut sie mich herausfordernd an, als wolle sie sagen: Fang mich doch. Und das versuche ich. Manchmal läßt sie mich den Stock ergattern, damit ich ihn weit weg schleuder und sie ihn in schnellstem Galopp zurückholt. So tollen wir minutenlang auf dem Sommerdeich herum, bis das Spiel langweilig wird und der Stock irgendwo liegenbleibt – bis wir ihn wieder finden und die Gewohnheit siegt, vielleicht morgen? Verdiente Pause also auf der Bank an der Möwenecke mit Blick auf das Festland. Frisch gestärkt ziehen wir nach einigen Minuten weiter mit dem Wind von vorne die lange Strecke auf dem Appellanddeich an den Lahnungsfeldern entlang bis zur Westkante, dort wo der große Steindeich mit dem gepflasterten Weg beginnt, der bis zur Schleuse führt. Meine Füße in den Gummistiefeln sind inzwischen recht warm geworden von den vielen Schritten und dem Schwingen der Stiefel. Die Pflasterung des Weges mit großen Granitsteinen ist ideal für Fusswellness: Sie ist nicht langweilig glatt, sondern besteht aus vielen kleinen und großen Unebenheiten und ist angenehm kühl an den Füßen – also Stiefel ausziehen, Socken runter und den rauen Granit an den Fußsohlen spüren. Langsamen Schrittes schlendere ich weiter, langsam, ganz langsam, die Augen nur auf die Steine gerichtet, suche ich mir für jeden Schritt einen neuen Stein, meinen Fuß darauf zu setzen. Im Gegensatz zum Laufen in den Stiefeln benutze ich gefühlt jeden Muskel im Fuß und in den Zehen, und am Ende der Strecke fühlen sich meine Fußsohlen richtig durchgewalkt an. Diesen Weg barfuß zu gehen ist wie eine langanhaltende Fußreflexzonenmassage. Und da meine Augen nur auf den nächsten ausgesuchten Stein schauen, ist kaum Ablenkung da, und ich kann ganz bei mir bleiben – zur Fusswellness gesellt sich lässig Seelenwellness.
Wünsche Euch eine gelassene Arbeitswoche! Jürgen