Sabine

Mittwoch, 12. Februar 2020

Sonntag war die Stille vor dem Sturm vorbei.
Das ist mal ein schöner Name für ein Orkantief: Sabine – groß, kraftvoll, beständig.
Seit Sonntag Vormittag stürmt sie und baute sich am Nachmittag immer stärker auf, das Windfeld riesig, Gröde ganz klein darunter. Die aufgewühlte Nordsee schwappte über Steinkanten und füllte Gräben, obwohl Sonntag noch gar nicht so hoher Wasserstand war. Zehn Stunden lang donnerten die Böen in 10 und 11 Windstärken durch unsere Warft, zippelten an unserem Dach, das jedoch ohne großen Schaden davongekommen ist.

Am nächsten Morgen. Montag. Während Sabine in Süddeutschland weiterstürmte, war sie in der Halligwelt schon zahmer geworden. 170km/h auf dem Feldberg im Schwarzwald, las ich in einer Meldung … wie gut, dass unsere Warft nicht so hoch ist. In List/Sylt hat man 117km/h gemessen. Der Wind bläst aber bis heute noch sehr stark, sodass sogar ein kurzer Spaziergang mit Luzi zur Anstrengung wird, dazu viel viel Regen und in der Nacht zu Dienstag eine paar laute Gewitterschläge. Aber nicht mehr diese heftigen Windspitzen, die das Haus erzittern lassen. Dafür jedoch Sturmfluten mit jedem Hochwasser seit Montag Morgen. Unsere Warften umgeben von bewegter See, heute ganz früh mit dem vorerst höchsten Wasserstand von 2,5 Meter über normal Hochwasser. Jetzt liegt der Treibselsaum auf zwei Drittel Deichhöhe. In der kommenden Nacht soll Sabine sich beruhigen … ein letztes Landunter noch und dann ist erstmal Pause.
Herzliche Grüße von Gröde, Jürgen und Sabine

Neujahrzehnt

1. Januar 2020

Sonnenuntergang, Sonnenaufgang.
Dazwischen, mitten im Dunkeln, nur spärlich beleuchtet von der schmalen Mondsichel, begann pünktlich zu Mitternacht das neue Jahr.
Und nicht nur das. Es begann zugleich ein neues Jahrzehnt. Die 20er Jahre sind da: 2020.
Damals als Kind, vor knapp 50 Jahren, als die ersten Zahlen im Kopf zu jonglieren begannen und sich dann zu vorstellbaren Einheiten aneinander reihten, habe ich versucht, mir auszurechnen, in welchen Jahreszahlen ich wohl noch lebe als alter Mann. Das Jahr 2000 (als Kind hielt ich mich dann schon für alt) war noch super weit voraus in der Zukunft — heute längst Geschichte. Das Jahr 2020 erschien mir wie eine Sternenzeit aus den Raumschiff-Enterprise-Filmen.
Und jetzt ist 2020 da, weit weniger spektakulär als damals vorgestellt. Eine Menge ist passiert in all den Jahren und Jahrzehnten. Und wenn ich überlege, hatte ich trotz mancher Widrigkeiten immer wieder eine Perspektive, eine Vorstellung von einer machbaren Zukunft. Das gibt mir heute Mut und Zuversicht. 
Sabine und ich hoffen, Ihr hattet einen lustigen Rutsch zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Wir wünschen Euch für das neue Jahr gute Gesundheit, stabile Fröhlichkeit, neue Ideen aus verschiedensten Blickwinkeln, aussichtsreiche Perspektiven für ein Jahr oder ein Jahrzehnt, und immer wieder lebenswürzende Glücksmomente. Auf ein Wiedersehen!

Zu Weihnachten

24. Dezember 2019

… wünschen wir allen unseren Feriengästen und Freunden geruhsame und friedliche Festtage mit lieben Menschen um Euch herum. Wir haben für ein paar Tage unsere Kinder zu Besuch mit Ihren Liebsten und freuen uns sehr darüber. Es ist eine Zeit zum Ausruhen und Treiben lassen. In diesem Sinne! Habt es gut. Herzlichst, Jürgen und Sabine

Herbststille

30. November 2019

Still fällt der Regen auf Appelland, ganz leise, wie in einem Kokon, ohne viel Gewese, ohne pfeifenden Wind, ganz fein, als senkten sich Wolken auf die Landschaft. Unzählige winzige Tröpfchen schweben in Luft, mal etwas dichter und zahlreicher, dann wieder weniger dicht, eine Zeit lang sind sie ganz verschwunden, versteckt im grauen Dunst, doch dann sind sie plötzlich wieder da, treiben an mir vorbei, durchstreifen meine Blicke auf die Warft, auf die braun-grünen Salzwiesen, auf die grauen Wildgänse, auf die blaubehimmelten Sommerbilder von weidenden Rindern auf lila-grünen Flächen, an die der verwitterte Scheuerpfahl erinnert. Über der Nordsee verdichten sich Tröpfchen zu Tropfen und heben die Grenze zwischen Meer und Himmel auf, machen die horizontenen Warften von Oland und Langenness unsichtbar und dann die Gröder Warft schemenhaft, unwirklich. Still fällt der Regen auf Appelland.

Warten

31. Oktober 2019

Warten auf Gröde am wunderbar sonnigen 30. Oktober, so schön wie ein Spätsommertag. Gestern Nachmittag, nach der Arbeit, brachte ich Sabine und zwei Journalisten zum Anleger … warten auf’s Schiff. Diesmal warteten wir auf die Adler Express, weil sich das Warten auf unsere vertraute Seeadler nicht lohnte: Zu unsicher die Aussichten, ob unser Lieblingskapitän Gröde anlaufen kann. Er hatte selbst zu warten auf seine Chartergäste, warten, daß sie ihm ihren Abfahrtswunsch signalisieren. Darauf konnten wir auf Gröde aber nicht warten, und so war die Adler Express unser Schiff des Tages, gleichzeitig ihr letzter Stop auf Gröde in diesem Jahr. Also sanft anlegen und dann hurtig von Gröde nach Hörnum/Sylt, weiter mit dem Bus nach Westerland und von dort mit dem Zug nach Bredstedt. Warten auf das Schiff, zusammen mit Sabine, den Journalisten und den Tagesgästen, die die Adler Express knapp eineinhalb Stunden vorher auf Gröde von Bord gelassen hatte. Sie ertrugen das Warten zufrieden nach der Führung, die Sabine ihnen in der Kirche geboten hatte. Manch einer stellt noch eine verspätete Frage. Ich verabschiedete mich von den Journalisten und spähte den Horizont entlang im Südosten, sah das Schiff ganz klein, flitzend. Nun dauerte es nur noch ein paar Minuten, wir brauchten nicht lang zu warten, denn die Adler Express ist ein schnelles Schiff, wie ihr Name schon sagt: Warten kennt sie nicht. Ist man erstmal an Bord, heißt Warten Bewegung: Warten auf den nächsten Hafen ist Bewegung zum nächsten Hafen. Auf den Bus in Hörnum brauchten sie nicht lang zu warten, wohl aber auf den Zug in Westerland. Während Sabine und die Journalisten sich also abwechselnd wartend und bewegend von Gröde nach Bredstedt begaben, wartete ich auf das schönste Licht des Tages, saß auf der Steinkante, und mit mir warteten nur Luzi und ein paar Eiderenten auf die Sekunde, in der die Sonne den Horizont berührt, niemand sonst. Je länger wir warteten, desto mehr Gelassenheit stellte sich ein. Minutenlang schweifte mein Blick in die Ferne. Minutenlang trieben meine Gedanken übers Meer. Minutenlang schwieg ich. Minutenlang nahm ich die Veränderung des Lichts wahr, die Intensivierung der Farben, die Intensivierung des Beimirseins. Warten lohnt sich auch mal. In diesem Sinne! Jürgen

Herbstlich

Montag, 30. September 2019

Herbstlich geht es zu auf Gröde in diesen Tagen. Freitag sind die Rinder abgereist nach einem wirklich schönen Sommer auf der Hallig. Die Tiere und wir Gröder hatten Glück, denn am Abreisetag spielten Wind und Wetter und Wasser gut mit: Kein Stress, keine regendurchnäßten Menschen und Tiere, keine salzwassernassen Füße. Wettermäßige Punktlandung am Freitag. Samstag und Sonntag dann schon wieder durchwachsener mit hohen Wasserständen, sodass an einigen Stellen die Nordsee in die Hallig lief: Anlauf nehmen für das heutige Landunter mit Sturm.
Herbstliche Impressionen von Hallig Gröde.
Herzlichst, Jürgen